Türkiye Cumhuriyeti

Köln Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

29 Ekim Cumhuriyet Bayramı Resepsiyonu, 29.10.2015

Verehrte Mitglieder der türkischen Gemeinschaft,
liebe deutsche Freunde,
meine geschätzten Kollegen der diplomatischen Vertretungen,

die Gründung der modernen Republik Türkei war, laut der Aussage unseres Kriegsveteran Mustafa Kemal Atatürk sein größtes Werk. Es ist mir eine besondere Freude den 92.ten Jahrestag der Proklamation der Republik Türkei hier in Köln, dem Herzen der türkischen Gemeinschaft Deutschlands, mit Ihnen zusammen zu feiern.

Mehr als die Hälfte der im Ausland ansässigen Türken leben in Deutschland. Der 29. Oktober hat hier, wo die türkische Gemeinschaft sich über ein weiterverbreitetes Netzwerk von Vereinen organisiert, eine sehr individuelle Atmosphäre und einen ungleichen Charakter.

Unsere Menschen, die bedeutsamen Beitrag zur deutschen Politik, Wirtschaft, Kultur und Kunst leisten, die in diesem Land geboren wurden, aufwachsen und hier auch sterben, sehen Deutschland als ihre Heimat an. Der 29. Oktober, der Tag an dem die Republik Türkei ausgerufen wurde, ist ein Nationalfeiertag, an dem sie ihre emotionale Bindung zur Türkei möglicherweise am stärksten empfinden.

Aufgrund der Terroranschläge in unserem Land ist die Stimmung der diesjährigen Feierlichkeiten getrübt. Die negativen Auswirkungen der anhaltenden Spirale der Gewalt in Syrien und dem Irak greifen immer mehr vom regionalen auf den globalen Bereich über.

Die in diesem Chaos entstehenden Terrorgruppen, missbrauchen die religiösen und kulturellen Symbole um ihre eigenen niederträchtigen Zwecke verfolgen zu können. Durch die Trennung der Menschen nach Ihrer Religion, ihren Glaubensrichtungen sowie ihrer ethnischen Zugehörigkeit, versuchen sie den gegenseitigen Hass und die Angst voreinander auf internationaler Ebene zu schüren.

Leider müssen wir in letzter Zeit feststellen, dass diese Tendenz auch in Deutschland die Fremdenfeindlichkeit schürt und das Verständnis für Toleranz zu zerstören droht. Obwohl die grosse Mehrheit der deutschen Bevölkerung sich von dieser Tendenz distanziert, führt dieser Fremdenhass zu vermehrten Übergriffen auf Migranten sowie auf Menschen und Einrichtungen, die Migrantenhilfe leisten. Allein in diesem Jahr ist die Zahl der Übergriffe auf Notunterkünfte für Migranten, die von der Gewalt aus ihrer Heimat nach Deutschland geflohen sind, auf über 500 gestiegen. Eine Situation, die in einer demokratischen Gesellschaft weder zu verstehen noch zu tolerieren ist.

Diese Gefahr zeigte sein dunkles Gesicht zuletzt mitten unter uns. Auf die neugewählte Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, Frau Henriette Reker, die sich seit ihres Lebens sozial engagiert hat, sich für eine multikulturelle Gesellschaft stark gemacht und sich mutig für eine bunte Gesellschaft ausgesprochen hat, wurde in Mitten Kölns ein abscheulicher Anschlag verübt.

Dieser Anschlag war unserer Meinung nach ein Anschlag auf die liberale Lebens- und Denkweise der Deutschen, die eine multikulturelle Gesellschaft unterstützen, sowie auf die türkische Gemeinschaft, die an diese liberalen Werte glaubt und sie zu schützen versucht. Wir alle wünschen Frau Reker nochmals baldige Genesung.

In diesem Zusammenhang möchte ich insbesondere betonen, dass wir der Meinung sind, dass die Einwohner der Stadt Köln, die zuletzt am vergangenen Sonntag eine klare Botschaft an die Gegner von Vielstimmigkeit und Vielfarbigkeit übermittelt haben, sich, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland aussprechen und sich dafür einsetzen.

Wir sind davon überzeugt, dass eine multikulturelle Gesellschaft ein Gewinn ist. Unsere Unterschiede trennen uns nicht - im Gegenteil sie vervollständigen uns. Wir glauben fest daran, dass das Bestreben des friedlichen Miteinanders verschiedener Farben, Sprachen und Rassen die wichtigste Investition ist, die man in die Zukunft seines Landes machen kann.

In Bezug auf Integration, haben sowohl sie als auch wir die wichtige Verantwortung, nicht in die Falle der Zersplitterung und Entfremdung zu laufen, die unter dem Begriff “Zwischenkulturelle Konflikte" uns auferlegt wird.

Menschen mit Migrationshintergrund, die sich bewusst sind, dass sie nicht einer Doppelmoral ausgesetzt sind und sich aufgrund Ihrer Herkunft weder in Schulen noch am Arbeitsplatz, weder in in der Politik noch in der Bürokratie benachteiligt gar diskriminiert fühlen, werden sich zu den wichtigsten Bausteinen für die Zukunft Deutschlands entwickeln.

Anatolien ist die Wiege der ältesten Zivilisationen. Tausende Jahre haben verschiedenste Völker und Glaubensrichtungen miteinander zusammen gelebt. Hier ist auf dem Fundament von Toleranz, Respekt, Recht und Gerechtigkeit eine Kultur des gemeinsamen Lebens entstanden.

Das türkische Volk, das nach diesem Kulturgut lebt und wie einst Haci Bektas-i Veli kurz und knapp sagte "Die Fähigkeit hat, auf 72 Nationen mit einem Auge zu blicken", wird auch zukünftig, gerade jetzt da Deutschland aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen an Farbe und Vielfalt gewinnt, ein Verfechter der Toleranz und des gesellschaftlichen Friedens sein.

Schlussendlich möchte ich nicht ungesagt lassen, dass die türkische Gemeinschaft ein wesentlicher Teil Deutschlands ist und die Aufgabe der gesellschaftlichen Verantwortung in Zukunft auf den Schultern unserer gebildeten, politisch interessierten und selbstbewussten türkischen Jugend liegt.

Ich möchte betonen, dass es unerlässlich seitens der Eltern unserer heranwachsenden Generationen ist, dieser eine gute Bildung zu ermöglichen, eingehend mit zu verfolgen und eine wegweisende Rolle zu übernehmen, um den Erfolg für die Verantwortung die sie übernehmen sollen zu ebnen. Das ist die beste Investition die Sie in die Zukunft Ihrer Kinder machen können.

Mit diesen Gefühlen möchte ich unserem Gründungsvater der Republik Türkei Mustafa Kemal Atatürk und unseren Helden des Befreiungskrieges respektvoll gedenken. Ich danke allen anwesenden Gästen, auch im Namen unserer Konsularmitarbeiter, und heiße Sie herzlich willkommen. Es ehrt uns, dass Sie diesen bedeutsamen Abend mit uns feiern.