Türkiye Cumhuriyeti

Köln Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

29 Ekim Cumhuriyet Bayramı Resepsiyonu, 31.10.2014

Sehr geehrte Mitglieder der Türkischen Gemeinschaft,
Liebe deutsche Freunde,
Meine verehrten Kollegen des diplomatischen Korps,
Sehr geehrter Herr Alattin Temür, Generalkonsul der Republik Türkei in Düsseldorf,

Ich freue mich den 91. Jahrestag der Gründung der Republik Türkei, in der Stadt Köln zu feiern, die für uns das Herz der türkischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland bedeutet.

Leider überschattet das Grubenunglück vom 28. Oktober in Ermenek, einer Kreisstadt von Karaman, mit 18 verschütteten Kumpels, von denen wir immer noch keine erfreuliche Nachricht erhalten haben, die Freude an unseren Feierlichkeiten. Unsere Gebete und Gedanken sind mit ihnen. Auch wenn unsere Hoffnungen schwinden, hoffe ich, dass wir sobald wie möglich gute Nachrichten aus Ermenek bekommen werden.

Ich bin der Überzeugung, dass der 29. Oktober in der Bundesrepublik Deutschland immer eine ganz besondere Atmosphäre und einen ebenso besonderen Geist in sich verbirgt.

Als Europa eingehüllt war von dem Zauber der dunklen und totalitären Ideologien, legten Gazi Mustafa Kemal Atatürk und seine Kameraden in den 20'er Jahren den Grundstein für eine moderne und menschenorientierte Republik, die den Verstand und die Wissenschaft als Führer und als Wegweiser die Zusammenarbeit und den Frieden in der Außenpolitik hatte. Heute feiern wir den 91. Jahrestag anlässlich der Gründung der Republik Türkei, deren Existenz Sicherheit und Stolz für uns bedeutet.

Als wir vor 53 Jahren von Istanbul aus in die Züge einstiegen, die uns in dieses schöne Land brachten und wir von unseren deutschen Freunden mit Kapellen empfangen wurden, konnten nicht einmal diejenigen mit einem großen Vorstellungsvermögen sich ein Bild davon machen, wie es in der Zukunft für sie aussehen würde. Heute, mit einer Bevölkerungsanzahl von fast drei Millionen bemüht sich die türkische Gemeinde in allen Bereichen des Lebens, von der Kunst zur Politik, vom Sport zur Wissenschaft, von der Industrie zum Tourismus für die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland beizutragen.

Ursprünglich als die Fremde angesehen, wo Mittel für den Erwerb eines Traktors oder eines Grundstücks gespart werden sollte, um dann wieder in die Heimat zurückzukehren, wurden Deutschland bittere Strophen wie das folgende angedichtet:
„Meine Nöte sind zur Brücke über die Donau geworden,
Meine Sprache kennt kein Mensch von dir, Deutschland.
Den Tag der Rückkehr zählend,
Haben deine Jahre mein Leben aufgebraucht, Deutschland“

Dieses Land ist uns zur Heimat geworden, wo wir das Licht der Welt erblicken, aufwachsen, Kinder und Enkelkinder großziehen und letztendlich uns vom Leben verabschieden.

Meine Rede anlässlich unserer Gründungsfeier, die mir die Möglichkeit bietet meine Gefühle bezüglich unserer Zukunft in dieser Heimat mit ihnen zu teilen, beendete ich letztes Jahr damit, dass wir mehrere Gründe dazu haben mit Hoffnung in die Zukunft zu schauen. Im Laufe des vergangenen eines Jahres haben sich Entwicklungen ergeben, die meine Hoffnung verstärkt haben. Zwei davon möchte ich zur Sprache bringen.

Im Jahre 2004 wurde in der Keupstraße Köln-Mülheim, im Herzen der türkischen Gemeinde ein Nagelbombenattentat ausgeübt. Zehn Jahre danach, am 9. Juni 2014 hat in der Keupstraße und seiner Nachbarschaft das Friedensfest „Zusammenstehen“ stattgefunden, indem wir unsere Überzeugung von einem brüderlichen Zusammenleben ausgerufen haben.

Zehntausende, Menschen aus verschiedenen Nationen und Herkünften haben sich am 10. Jahrestag des Attentats zusammengeschlossen und ihre gesellschaftliche Reaktion demonstriert. Dieses kollektive Zusammenstehen hat uns Vertrauen und Hoffnung in einer Zeit gegeben, in der insbesondere unsere Gebetsräume zunehmend als Zielscheibe für Hass und Rache motivierte Anschläge geworden sind.

Die persönliche Teilnahme von Herrn Bundespräsidenten Joachim Gauck an diesem Fest und seine Botschaft, dass Migranten in Deutschland nicht alleine sind und dass diejenigen, die Ideale wie die Freiheit, den Frieden und das multikulturelle Miteinander mit rassistischen Motiven angreifen, keinen Platz in dieser Gesellschaft haben werden, hat uns Kraft gegeben.

Wir werden den NSU-Prozess in München weiterverfolgen. Wir möchten damit ein Zeichen setzen, dass die, aufgrund ihrer türkischen Abstammung, oder weil sie für Türken gehalten worden sind, feige und kaltblütig ermordeten zehn Menschen, ihr Leben nicht umsonst und ohne Folgen verloren haben. Wir möchten zeigen, dass unsere Kinder in diesem Land durch gegenseitiges Verständnis und Respekt für andere, die Architekten einer gemeinsamen und schönen Zukunft sein werden. Wir sind überzeugt davon, dass die Machenschaften hinter der menschenverachtenden Mörderbande im Laufe des Gerichtsprozesses ans Tageslicht kommen wird und damit der Gerechtigkeit genüge getan wird.

Der zweite Grund für meinen Optimismus:
Im vergangenen Juli wurde im Bundestag das Gesetz über die doppelte Staatsbürgerschaft der in Deutschland geborenen Migrantenkinder, die die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, verabschiedet. Das sogenannte "Optionsmodell", das die Jugendlichen zu einer Wahl zwischen ihrer Herkunft und ihrer Heimat zwang, wurde aufgehoben. Meines Erachtens ist dies in erster Linie eine große Errungenschaft für Deutschland. Für diesbezügliche Anstrengungen bedanken wir uns bei der deutschen Regierung.

Dennoch fällt es mir schwer, vor allen Dingen der ersten Generation verständlich zu machen, warum Deutschland weder sie noch ihre Kinder, sondern lediglich ihre Enkelkinder als Menschen erster Klasse akzeptiert. Denn sie waren diejenigen, die vor 50 Jahren in dieses Land gekommen sind und unter schweren Voraussetzungen eine Schicksalsgemeinschaft mit diesem Land geknüpft haben, Bürger anderer EU-Staaten hingegen haben unmittelbar nach ihrer Einreise einen Anspruch auf Einbürgerung.

In diesem Zusammenhang, bin ich überzeugt davon, dass die Gewährung des Anspruchs auf doppelte Staatsbürgerschaft ohne die Unterscheidung zwischen Herkunft und Generation, was bereits von mehreren europäischen Ländern umgesetzt worden ist, zur Entfaltung der in Deutschland als Staatspolitik praktizierten Willkommenskultur und zur Stärkung der Integrationsbestrebungen beitragen wird.

Als letztens möchte ich gerne darauf hinweisen, dass Deutschland, das bereits auf der ganzen Welt wegen seiner Dynamik, Kreativität und starker Position bewundert wird, diese Stellung aber in der Zukunft nur aufrecht erhalten bzw. erweiterten kann, wenn es auf geschulte und qualifizierte Jugendliche mit Migrationshintergrund zurückgreifen kann, die eine wichtige Rolle in diesem Prozess der Weiterentwicklung spielen werden. Hierbei fallen uns, da wir von der Anzahl her die größte Gemeinschaft mit Migrationshintergrund in Deutschland darstellen, besondere Verantwortungen zu.

Damit unsere Jugendlichen dieser Verantwortung gegenüber stehen können, ist es unerlässlich, dass sie eine gute Bildung erhalten. Den Eltern fällt die Aufgabe zu, ihren Kindern während ihrer gesamten Schulzeit so gut wie nur möglich beizustehen und zu unterstützen, was meiner Meinung nach die sinnvollste Investition für Ihre eigene Zukunft bedeuten würde.

In diesem Sinne, gedenke ich ehrfürchtig an den Gründer unserer Republik Mustafa Kemal Atatürk und die Helden unseres Befreiungskrieges. Ich bedanke mich bei allen Gästen, auch im Namen aller Mitarbeiter unseres Generalkonsulats, die heute mit Ihrem Kommen uns die Ehre erwiesen haben, und heiße sie herzlich willkommen.